Kurz gesagt: Der Advent in Wien beginnt am Sonntag, dem 29. November 2026, und führt über vier Kerzensonntage bis zum Heiligen Abend. Unterwegs schneiden die Wienerinnen und Wiener am 4. Dezember Kirschzweige, treffen am 5. Dezember den Krampus und am 6. Dezember den heiligen Nikolaus (den Nikolo) und trinken auf den Märkten Punsch und Glühwein. Die Geschenke kommen am Abend des 24. Dezember, gebracht vom Christkind, nicht vom Weihnachtsmann.
Wir sind Prime Tours, ein Wiener Tourenanbieter in lokaler Hand, und zeigen Besucherinnen und Besuchern seit 2016 unsere Stadt. Unsere Gäste stellen jedes Jahr im Dezember dieselben Fragen: Warum der Kranz mit vier Kerzen, wer ist der zottelige Teufel und was ist da in der Tasse? Hier sind die Antworten, samt den Terminen für 2026.
Advent 2026 auf einen Blick
| Brauch | Datum 2026 | Wo du ihn siehst | Kosten |
|---|---|---|---|
| Adventkranz | Sonntage 29. November, 6., 13. und 20. Dezember | Zuhause, in Kirchen, an Marktständen | Anschauen kostet nichts |
| Barbarazweig | Freitag, 4. Dezember | Eine Vase zu Hause oder in deiner Wohnung | Ein paar Kirsch- oder Forsythienzweige |
| Krampus | Abend des Samstag, 5. Dezember | Krampusläufe, meist in Alpenstädten | Zuschauen kostet nichts |
| Heiliger Nikolaus (Nikolo) | Sonntag, 6. Dezember | Familien, Kindergärten, Kindermuseum Schönbrunn | Museumsticket |
| Punsch und Glühwein | 13. November bis 26. Dezember (Rathausplatz) | Auf jedem Christkindlmarkt | Preis pro Häferl plus Häferlpfand |
| Christkind und die Geschenke | Abend des Donnerstag, 24. Dezember | Wohnzimmer der Familien | Kostenlos |
Der Adventkranz: vier Kerzen, vier Sonntage
Der Adventkranz ist jünger, als die meisten Besucher denken. Erfunden wurde er 1839 von Johann Hinrich Wichern, einem evangelischen Theologen, der in Hamburg das Rauhe Haus leitete, ein Heim für arme Kinder. Die Kinder fragten immer wieder, wie lange es noch bis Weihnachten dauert, also hängte er im Betsaal ein Wagenrad mit 24 Kerzen auf: vier große weiße für die Sonntage und 20 kleine rote für die Wochentage. Jeden Tag eine Kerze anzuzünden brachte den Kindern ganz nebenbei das Zählen bei.
Mit den Jahren schrumpfte der Kranz auf die vier Sonntagskerzen, bekam Tannenzweige und breitete sich vom protestantischen Norddeutschland bis in katholische Haushalte aus, auch in unsere. In katholischen Gegenden siehst du oft drei violette und eine rosa Kerze. Die rosa Kerze wird am dritten Sonntag angezündet, dem Gaudete-Sonntag („Freut euch“). Im katholischen Benediktionale gibt es sogar einen Ritus zur Segnung der Adventkränze.
2026 wird die erste Kerze am 29. November angezündet, die zweite am 6. Dezember, die dritte am 13. Dezember und die vierte am 20. Dezember.
Tipp vom Guide: Halte vor dem ersten Adventsonntag auf den Christkindlmärkten nach den Ständen Ausschau, die handgebundene Kränze verkaufen.
Barbarazweige am 4. Dezember
Am 4. Dezember, dem Gedenktag der heiligen Barbara, schneiden viele Österreicher ein paar Zweige von einem Kirschbaum, von Forsythie, Apfel oder Zwetschke ab und stellen sie in einem warmen Raum in eine Vase mit Wasser. Gehen die Knospen bis zum Heiligen Abend auf, bringt das kommende Jahr Glück.
Der Brauch geht auf eine Legende zurück: Auf dem Weg ins Gefängnis blieb Barbaras Gewand an einem Zweig hängen. Sie stellte den abgebrochenen Zweig ins Wasser, und er blühte an dem Tag, an dem sie als Märtyrerin starb. 2026 fällt der Barbaratag auf einen Freitag, drei Wochen vor dem Heiligen Abend, genau die Zeit, die Kirschknospen im Haus zum Aufblühen brauchen.
Krampus und Nikolo am 5. und 6. Dezember
Der heilige Nikolaus, ein Bischof aus dem 4. Jahrhundert, heißt in Österreich Nikolo. Er kommt am Abend des 5. Dezember oder am 6. Dezember, seinem Gedenktag, und ist wie ein Bischof gekleidet. Brave Kinder bekommen Nüsse, Obst und Süßigkeiten.
Die Unbrav'n bekommen es mit dem Krampus zu tun. Er ist der furchterregende Begleiter des Heiligen: Fell oder Schaffell, eine geschnitzte Holzmaske mit Hörnern, Kuhglocken oder Ketten, eine Birkenrute und ein Korb auf dem Rücken, um unartige Kinder davonzutragen. Die Figur ist vermutlich älter als das Christentum in den Alpen, schriftliche Quellen gibt es aber erst ab dem späten 16. Jahrhundert. Der 5. Dezember ist Krampustag, und in Alpenstädten ziehen Gruppen von Krampussen mit Glocken und Ruten in einem Krampuslauf durch die Straßen. Der Lauf in Klagenfurt gilt als der größte Österreichs.
Der Krampus ist nicht dasselbe wie die Perchten, auch wenn die Masken ähnlich aussehen. Krampusse gehören zum Advent, Perchtenläufe finden dagegen in den Rauhnächten statt, den Nächten rund um den Jahreswechsel. Wiens eigenes Krampuserbe findet sich auf Papier: Im frühen 20. Jahrhundert waren Krampuspostkarten beliebt, und eine Karte der Wiener Werkstätte von etwa 1911 wurde 2003 bei einer Auktion für 11.000 Euro verkauft.
Tipp vom Guide: Du reist mit Kindern? Im Kindermuseum Schönbrunn kommt am 6. Dezember der Nikolo zu Besuch, und das ist 2026 ein Sonntag, also besser rechtzeitig buchen.
Punsch oder Glühwein? Was ist in der Tasse
Auf jedem Wiener Christkindlmarkt hast du die Wahl zwischen zwei heißen Getränken. Glühwein ist erhitzter Wein: Rot- oder Weißwein mit Zucker, Zimt, Nelken, Sternanis und Kardamom, oft mit Orangensaft und Orangen- und Zitronenscheiben. Genau dieses Rezept veröffentlicht auch der Wiener Tourismusverband für zu Hause.
Punsch ist die freiere der beiden Varianten. Das Wort kommt vom Hindi-Wort für „fünf“, nach den fünf ursprünglichen Zutaten: Arrak, Zucker, Zitrone, Tee oder Wasser und Gewürze. Englische Seeleute der East India Company brachten das Getränk im 17. Jahrhundert nach Europa. Heute gibt es kein festes Rezept, deshalb kann der Punsch an einem Stand auf Fruchtsaft, Wein, Tee oder Rum basieren.
Dein Getränk kommt in einer Keramiktasse, dem Häferl, mit Pfand auf dem Preis. Gibst du das Häferl zurück, bekommst du das Pfand wieder, oder du behältst es als Souvenir. Die schönsten Häferl und besten Stände findest du in unserem kompletten Guide zu Wiens Christkindlmärkten und in unserem Ranking der wärmenden Wintergetränke in Wien.
Tipp vom Guide: Bestell deinen ersten Punsch auf dem Markt, auf dem du das Häferl behalten willst, und gib die anderen unterwegs zurück. Preise und Pfand unterscheiden sich von Markt zu Markt, schau also vor dem Bestellen auf die Tafel.
Das Christkind, nicht der Weihnachtsmann
In Österreich bringt das Christkind die Geschenke, am Abend des 24. Dezember. Die Idee geht auf Martin Luther zurück, der um 1535 den „heiligen Christ“ statt des heiligen Nikolaus als Gabenbringer propagierte. Der Brauch setzte sich später vor allem in katholischen Regionen durch, auch in Österreich. Der Weihnachtsmann gewinnt in den Schaufenstern zwar an Boden, in einer Umfrage von 2012 sagten aber 91 Prozent der Österreicher, das Christkind bringe die Geschenke.
Das Christkind hat sogar ein eigenes Postamt. In Christkindl, einem Ortsteil von Steyr in Oberösterreich, öffnet seit 1950 jeden Advent ein Sonderpostamt. 2026 hat es vom 27. November bis 31. Dezember geöffnet. Briefe von Kindern aus aller Welt an das Christkind werden dort beantwortet, und rund zwei Millionen Briefe und Karten pro Jahr verlassen es mit dem Sonderstempel. In Österreich kannst du deine Weihnachtskarten mit einem Aufkleber „Via Christkindl“ verschicken, der bei der Post 1 Euro kostet.
Am Heiligen Abend schließen die Märkte früh: Der Christkindlmarkt am Rathausplatz hat am 24. Dezember bis 18:30 Uhr geöffnet, der Markt in Schönbrunn bis 16 Uhr. Danach wird es still in Wien, und man feiert zu Hause.
Mehr Advent in Wien: Schneekugeln, Maroni und Kekse
- Schneekugeln: Wiens Schneekugel-Geschichte begann um 1900 mit Erwin Perzy, und die Original Wiener Schneekugel-Manufaktur seiner Familie stellt sie seit mehr als 100 Jahren her, mit Stephansdom, Riesenrad oder Schönbrunn darin. Das Rezept für den Schnee ist geheim.
- Heiße Maroni: den ganzen Winter über werden sie an Straßenecken über Kohle geröstet. Das Gewerbe reicht ins 18. Jahrhundert zurück, als Maria Theresia fahrenden Händlern erlaubte, sie zu verkaufen.
- Weihnachtskekse: Beim Demel am Kohlmarkt kannst du durch eine Glaswand zusehen, wie Weihnachtskekse gebacken werden.
Tipp vom Guide: Am einfachsten siehst du mehrere dieser Bräuche an einem Abend, wenn du sie mit einem Local erkundest. Unsere Christkindlmarkt-Tour mit Verkostungen führt über drei Märkte mit heißem Punsch und Kostproben, die private Christkindlmarkt-Tour richtet sich nach deinem Tempo, und die Schönbrunn Christkindlmarkt-Tour verbindet das Schloss mit seinem Markt. Lieber bei Tageslicht? Dann komm zu unserer kostenlosen Free Walking Tour durch die Wiener Innenstadt.
Häufig gestellte Fragen
Wann beginnt der Advent 2026 in Wien?
Der erste Adventsonntag ist der 29. November 2026. Die weiteren Kerzensonntage sind der 6., 13. und 20. Dezember. Viele Christkindlmärkte öffnen früher: Schönbrunn am 6. November und der Rathausplatz am 13. November.
Ist der Krampus für Kinder gruselig?
Er soll gruselig aussehen, mit Hörnern, Fell und Glocken. Die großen Krampusläufe mit vielen maskierten Gestalten gibt es vor allem in Alpenstädten, und dort kommt es auch zu Rangeleien mit Zuschauern. Empfindsame Kinder treffen besser den freundlichen Nikolo am 6. Dezember.
Was ist der Unterschied zwischen Punsch und Glühwein?
Glühwein ist immer heißer Gewürzwein, rot oder weiß. Punsch hat kein festes Rezept und kann mit Fruchtsaft, Tee, Wein oder Rum gemacht werden. Beides gibt es im Häferl mit Pfand.
Wer bringt in Österreich die Geschenke, der Weihnachtsmann oder das Christkind?
Traditionell das Christkind, am Abend des 24. Dezember. Die Kinder schreiben ihre Wünsche an das Christkind, und die Geschenke kommen an diesem Abend. Den Weihnachtsmann kennt man zwar, aber die meisten Österreicher bleiben beim Christkind.
Foto: PHILIP János, CC0, via Wikimedia Commons












